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[Interview] Interview mit Dinah Doemer – Fashionkill

13. Februar 2016
Liebe Leser,
schön das ihr heute wieder bei uns reinschaut, denn wir haben für Euch Dinah Doemer interviewt.
Uns konnte ihr aktueller Roman „Fashionkill“ überzeugen und haben deswegen neugierig nachgefragt.
Viel Spaß beim Lesen!

 

 
**********
Liebe
Dinah,
vielen
Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten.
Magst
Du uns sein wenig über Dich erzählen?
Ich
bin im Rheinland aufgewachsen. Meine Eltern waren typische
Wirtschaftswunderkinder, sie haben die Ärmel aufgekrempelt, zugepackt und waren
mit sich beschäftigt. Wir Kinder liefen meist so mit. Ich entdeckte sehr früh, dass
Bücher mir eine Welt boten, in der ich ungestört war. Die Liebe zum Lesen und
Schreiben hat mich immer begleitet. Nach dem Studium der Germanistik bin ich
Journalistin geworden, später habe ich dann selbst Bücher geschrieben.
Fashionkill
ist, wie ich finde, ein außergewöhnliches Buch mit einer Thematik, die ich noch
nicht so gelesen habe. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen?
Ich
wollte ein Buch schreiben, das möglichst viele Leserinnen anspricht. Ich habe
mich gefragt: Was ist das Schrecklichste, das einer Frau zustoßen kann? Und
meine Antwort war: verlassen und hilflos in einem Zimmerchen zu sitzen und
nicht mehr am Geschehen teilnehmen zu können. Die Schönheit zu verlieren. Sich
nicht mehr bewegen zu  können. Woran kann
man sich in so einer Situation festhalten, was erfüllt einen noch? Die Erinnerungen
vermutlich. Menschen, die zu einem stehen, einen wirklich lieben, und mit denen
man die Erinnerungen teilen kann. Daneben wollte ich etwas Schönes stellen,
etwas Kreatives, das Frauen aufwertet. So kam ich auf die Mode. Bei der
Recherche merkte ich dann, dass man zur Modeindustrie sehr viel Kritisches sagen
kann.
Hast
du sehr viel über das Thema Mode recherchieren müssen und wenn ja, wie geht man
da als Autor vor?
Ich
habe mal fast ein Jahr in Paris gelebt und dort auch eine High-Fashion-Schau besucht.
Dann habe ich sehr viel gelesen, über die Geschichte der Mode, über alternative
Bekleidung, vor allem aber viele Biografien von Designern und Models. Außerdem
habe ich mir Dokus im Netz angeschaut. Im Institut für Stadtgeschichte in
Frankfurt am Main bin ich auf die Historie des Frankfurter Modeamts gestoßen.
Dort konnte ich geheime Briefe einsehen, die zwischen dem Modeamt und den Nazis
hin- und her gegangen sind. Sie sind noch im Original erhalten.
Zu
welcher Figur deines Romans findest Du am meisten Eigenschaften von Dir wieder?
Vom
Charakter her ist mir Marek am ähnlichsten, obwohl er ein junger Mann ist. Er
ist oft nur ein stiller Beobachter, aber wenn er etwas sagt oder tut, macht er
das ganz bewusst. Er hat sehr viel Fantasie und kann sich gut in andere
hineinversetzen. Und er hält an seinen Träumen fest.
Dein
Cover ist ebenso gelungen und genau auf die Geschichte abgestimmt, hattest Du
es von Anfang an im Kopf, oder wie ist es entstanden?
Das
Cover habe ich Claudia Toman von Traumstoff in Auftrag gegeben und gleich ihren
ersten Entwurf akzeptiert. Er hat mir total gut gefallen. Die junge Frau auf
dem Cover könnte meine Protagonistin Julia sein. Das Tuch, das im Roman eine
sehr wichtige Rolle spielt, dominiert es, und die Schrift nimmt die Bewegung
des Tuchs wieder auf.
Klar,
alles in Büchern führt zu einem stimmigen Gesamtbild, aber was würdest Du
meinen, ist das Wichtigste in einem Roman? Der Handlungsstrang oder die
Ausarbeitung der Charaktere? Oder vielleicht etwas ganz anderes?
Die
Charaktere bestimmen die Handlung. Sie haben Wünsche und Ziele, die sie durchsetzen
wollen, und das ergibt Konflikte untereinander, die dann verhandelt werden
müssen. Wichtig ist aber auch, dass die Leser von den Figuren und ihrem
jeweiligen Schicksal berührt werden. Wie man das hinkriegt, dafür gibt es wohl
kein Patenrezept. Gut zuhören, was die Leute so umtreibt, wäre ein Möglichkeit.
Die gesellschaftlichen Probleme auf die nächsten Jahre hochzurechnen wäre eine
andere. Aber manchmal möchte man als Autorin ja auch etwas erzählen, was einem
selbst auf den Nägeln brennt. Und dann ist es Glücksache, ob man in der
Leserschaft einen Widerhall findet.
Digital
publizieren oder Print – findest du, beides beißt sich, oder wie stehst du zu
E-Books?
Bei
einem Printbuch dauert es oft Monate, bis der Verlag einen Platz im Programm
frei hat, da ist ein E-Book oft schneller und kann daher auch aktueller sein.
Ein E-Book lässt sich auch kostengünstiger selbst verlegen als ein gedrucktes
Buch. Auf der anderen Seite kann man die Unterstützung eines Verlags gar nicht
hoch genug einschätzen, das gilt für das Lektorat, aber ebenso für die
Pressearbeit, die Werbung und das Networking. Es gibt ja mittlerweile auch E-Book-Verlage,
die selektieren, lektorieren und einen literarischen Anspruch haben.
CulturBooks zum Beispiel von Zoe Beck und Jan Karsten. Man
muss einfach genau hinsehen, was was ist.
Schreibst
du schon an einem neuen Roman und kannst uns etwas dazu verraten?
Ganz
bald erscheint mein Krimi „Todesrauscher“ bei emons, einem Printverlag. Da geht
es um den Kommissar Christian Bär, der den Mord in einer Apfelweinkelterei
aufklären muss. Die dralle, rothaarige Journalistin Roberta Hennig pfuscht ihm
ständig ins Handwerk. Bär würde sie am liebsten umbringen, aber das kann er als
Kommissar natürlich nicht machen. Nebenbei wird die Geschichte des Apfelweins
erzählt, auch die ist sehr spannend. Der Apfelwein ist in ganz Europa
verbreitet, von Irland aus gelangte er sogar bis zu den Pionieren Nordamerikas.
Von wegen Saloons und Whisky!
Was
liest du derzeit?
Krimis,
Krimis, Krimis. Fast täglich kommt ein frisches Buch ins Haus, mein armer
Postbote gerät schon ins Schwitzen. Ich bin in der Glauser-Jury 2017, das
heißt, ich darf sämtliche Krimis lesen, die in Deutschland, Österreich und der
Schweiz in 2016 erscheinen. Der Glauser ist der Krimipreis der Autoren,
verliehen wird er vom Syndikat. Das ist die wichtigste deutschsprachige Krimiautoren-Vereinigung,
sie hat mehr als 650 Autorinnen und Autoren als Mitglieder.
Lieblingsautor?
Da
gibt es viele. Uwe Timm, Kristof Magnusson, Gunter Gerlach, um nur drei zu
nennen. Was sie gemeinsam haben, ist eine gute Portion feinen bis schwarzen Humor.
Der schützt verlässlich gegen die Pannen des Lebens.
Wo
schreibst Du?
Eigentlich
nur an in meinem Schreibzimmer und am PC. Wenn ich nachdenken muss, gucke ich
aus dem Fenster in die weite Landschaft der Wetterau.
Vielen
Dank liebe Dinah für die Beantwortung meiner neugierigen Fragen J
Möchtest
Du deinen Lesern vielleicht noch etwas sagen?
Lest.
Lest und schreibt. Es wird euch bereichern.
**********
Gewinnspiel
Stelle Dinah Doemer bis einschließlich 18.2.2016 unter diesem Post deine Frage, und sammel dir ein Gewinnlos für tolle Preise.
Gewinne:
1. Platz
1 XXL Schal/Tuch (Farbe nach Wunsch, zum schauen bitte aufs Bild klicken)+ E-Book Fashionkill im Mobi Format (via Amazongutschein)

2.-5. Platz
jeweils 1 E-Book Fashionkill im Mobi Format (via Amazongutschein)
 Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch mit den Teilnahmebedingungen einverstanden
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  1. Interessantes Interview mit guten Fragen (und natürlich auch guten Antworten ^^).

    Meine Frage ist noch: Gab es auch Momente beim Schreiben, wo du gar nicht wusstest, wie es weitergehen soll?

    Ich bin schon gespannt auf morgen, wenn die Charaktere vorgestellt werden 🙂

    Liebe Grüße
    Ina (LB: Inibini)

    1. Hi Ina,
      beim Brainstormen weiß ich manches Mal nicht weiter, verrenne mich, verwerfe wieder, fange neu an. Ich entwickle die komplette Story zunächst auf diversen Zetteln, auch mit Grafiken und Soziogrammen. Dann schreibe ich eine Kurzfassung von 10 – 15 Seiten, die dient mir später auch als Basis für ein ausführliches Exposé. Und ich fange nicht mit dem Romantext an, bevor ich nicht mit der Kurzfassung zufrieden bin.
      Liebe Grüße, Dinah

    2. Oh cool, danke für die schnelle Antwort 🙂 So eine Kurzfassung ist ja echt praktisch. So hab ich mir die 'Arbeit' von einer Autorin nicht wirklich vorgestellt, wobei das wahrscheinlich eh jeder anders macht. Danke für den kleinen Einblick *grins*

      Ganz liebe Grüße
      Ina

  2. Hallo,
    sehr interessantes Interview. Meine Frage lautet: Du hast mal in Paris gelebt. Welche Vor- bzw. Nachteile hat das Leben in Frankreich deiner Meinung nach? Ich habe auch mal in Frankreich gelebt und doch so einige Unterschiede festgestellt, die mir vorher durch Kurzaufenthalten nicht so bewusst waren (wie z.B. die elende Bürokratie).

    lg, Jutta

    1. Liebe Jutta,
      durch die Globalisierung und den Tourismus sind die Franzosen nicht nur lässiger geworden, was „unfranzösisches Benehmen“ angeht, sie haben selbst viele liebgewonnene Traditionen teilweise aufgegeben oder gelockert, wie z. B. die lange Mittagspause im Süden oder die typische Menuefolge. Es gibt aber immer noch kleine Gewohnheiten, die sie wahren: Die Lippenstiftfarbe sollte zum Schmuck passen, der Käse wird je nach Sorte in Vierecke oder Scheiben geschnitten, und der Tankwart macht selbst seiner älteren Kundin ein Kompliment aus heiterem Himmel.
      Paris ist allerdings nicht Frankreich. Die Stadt wird immer größer (außerhalb des Peripherique, der Stadtautobahn), hektischer und lauter. Und seit den Anschlägen in diesem Jahr spürt man auch eine gewisse Nervosität. Der Lieblingsspruch der Pariser lautet momentan „Il faut faire avec“, man muss damit zurechtkommen.
      Liebe Grüße, Dinah

    1. Liebe Daniela,
      das ist jedes Mal ein anderer Auslöser. Bei KELTENZORN war es die Begeisterung für den Glauberg, der liegt in einer ganz herrlichen Landschaft. Bei TODESRAUSCHER, der in fünf Wochen erscheint, haben mich die Streuobstwiesen fasziniert, das sind wunderbare kleine Biotope. Und bei FASHIONKILL war es mein Interesse für den Tierschutz und die Mode. Das klingt jetzt vermutlich so, als würde es bei meinen Vorlieben keinen roten Faden geben, aber ganz so ist es nicht. Ich mag die Natur – und alles, was sich gestalten lässt.
      Herzliche Grüße, Dinah

  3. Hallo ,

    Vielen Dank für den interessanten und tollen Interview.
    Meine Frage an der Autorin wäre : Kann sich die Autorin vorstellen
    ein Buch zusammen mit z.B Nele Neuhaus zu schreiben ?
    Kann sich die Autorin vorstellen ein Kinderbuch zu schreiben und wenn
    nicht warum ?

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt
    margareta.gebhardt@gmx.de

    1. Liebe Margareta,
      ich habe Nele Neuhaus bei einer Lesung mal kurz gesprochen, und ich kann mir sehr gut vorstellen, mit ihr ein Buch zu schreiben! Sie wird nur keins mit mir schreiben wollen, das kann sie prima allein.
      Ein Kinderbuch habe ich fast fertig. Es ist die Geschichte von einem Jungen, der ein Bärenbaby findet und heimlich mit zu sich nach Hause nimmt.
      Liebe Grüße, Dinah

    1. Mein Trick bei Schreibblockaden ist, für einen Moment das kreative Umfeld zu wechseln. Also statt zu schreiben mal eine Stunde zu malen, zu gärtnern oder zu kochen. Klappt erstaunlich gut. Oder ich suche in Zeitschriften und Katalogen nach Leuten, die so aussehen, wie ich mir meine Figuren vorstelle. Die schneide ich dann aus, gestalte ein Plakat mit ihnen und hänge es über meinen Schreibtisch. Sehr inspirierend. Die einfachste Masche, wenn ich schon was geschrieben habe: Ich lese die letzten Kapitel noch einmal ganz genüsslich in der Haltung einer Leserin.
      Liebe Grüße, Dinah

    1. Zwischen 3 Monaten und einem Jahr, das ist sehr unterschiedlich, je nachdem wie kompliziert das Thema ist und wie lang das Buch werden soll. An Fashionkill habe ich 18 Monate gearbeitet – 4 Tage die Woche je 8 bis 10 Stunden. Die restlichen Tage musste ich Geld verdienen. 🙂
      Liebe Grüße, Dinah

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